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Web Summit 2018 – Recap

Vom 5. bis zum 8. November fand in Lissabon der Web Summit statt, auf dem auch wir vertreten waren. Bei dem Web Summit handelt es sich mit über 70.000 Teilnehmern um die größte Tech Konferenz der Welt. Hier waren neben CEOs, Gründern und Vertretern von Unternehmen wie Google, Amazon, Apple, Netflix oder Microsoft, auch Content Creator wie Darren Aronofsky und hochgradige Politiker, beispielsweise aus der EU-Kommission und dem EU-Parlament, als Speaker in Panels und Diskussionsrunden vertreten. Insgesamt nahmen über 500 Speaker teil. Für die Dauer dieser vier Tage stand ganz Lissabon im Zeichen des Web Summit. Unsere Highlights wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Web Summit 2018 Bühne
Center Stage

Center Stage – Die Hauptbühne

Auf der Hauptbühne mit Platz für 20.000 Zuschauer wurden neben Contests auch viele besonders beeindruckende Präsentationen gehalten.

Tim Berners-Lee | Erfinder des World Wide Webs

Eingeleitet wurde der Web Summit durch keinen Geringeren als Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Webs. Dieser stellte sein neues Projekt vor: ‚Contract for the Web‘. Bei diesem geht es darum das Internet, im Zuge von überhandnehmener Datensammlung und dem zunehmenden Profiling der Nutzer und einer damit einhergehenden Verknappung der individuellen Privatsphäre, zu schützen. Dies soll durch moralisch und ethisch definierte Grundsätze geschehen, welche von Unternehmen und Regierungen respektiert werden sollen. Mittlerweile hat das Projekt namenhafte Unterstützer wie Google und Facebook, welche in der Vergangenheit sehr negativ in Bezug auf Datensammlung und Profiling aufgefallen sind. Zudem hat auch Frankreich, als erste Regierung, diese Richtlinien inzwischen unterschrieben.

Christopher Wylie | Whistleblower hinter dem Facebook-Cambridge Analytica Datenskandal

Auch auf der Center Stage vertreten war Christopher Wylie, welcher im Frühjahr 2018 aufgedeckt hatte, dass Cambridge Analytica Millionen von Facebook-Profildaten, ohne das Einverständnis der jeweiligen Nutzer, gestohlen hatte. Diese Daten wurden beispielsweise 2015 und 2016 zur Unterstützung der Wahlkampfkampagnen vom jetzigen US-Präsident Donald Trump und US-Senator Ted Cruz genutzt. Wylie erklärte, dass Facebook von Anfang an davon wusste, dieses schändliche Vorgehen jedoch ignorierten. Wie schon zuvor Berners-Lee kam auch er zu dem Schluss, dass es moralische und ethische Richtlinien braucht, quasi einen ‚Code of Conduct‘, um das Internet und die User dessen zu schützen. Seiner Meinung nach fehlt es derzeit vor allem an Regulatoren und Ermittlern, welche in der Lage sind das Internet zu verstehen. In Anhörungen und informellen Gesprächen musste er immer wieder mit erschrecken feststellen, dass verantwortliche Politiker und generell Personen aus dem Staatsapparat in der Regel nicht die leiseste Ahnung haben, wie das Internet funktioniert.

Ben Goertzel | Chief Scientist von Hanson Robotics/Founder & CEO von SingularityNET

Eine Präsentation, die einen besonderen Eindruck bei uns hinterlassen hat, war “How Long Until Robots rule the world”. Auf der Bühne waren dabei neben Ben Goertzel von SingularityNet zwei humanoide Roboter, die aktiv an der Diskussion teilgenommen haben. Weniger die tatsächliche Leistung der Roboter und der künstlichen Intelligenz auf denen sie basieren haben dabei besonders auf uns gewirkt, sondern die etwas beklemmende Atmosphäre, die dadurch hervorgerufen wurde, dass diese Roboter wie lebende Wesen, eigentlich wie Menschen behandelt wurden und so auch agierten. Die Entwicklungen auf diesem Gebiet werden uns weiterhin in Atem halten.

Web Summit 2018 Bühne 2
Ben Goertzel mit Roboter Sophia

Binate.io – alles rund um Daten

Einer der vielen Tracks auf dem Web Summit in Lissabon war binate.io. Auf den Beiträgen drehte sich alles um Daten, und natürlich ging es dabei hauptsächlich um Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Besonders interessant dabei war der Beitrag von Cassie Kozyrkov, Chief Decision Scientist bei Google.

Cassie Korzyrkov | Chief Decision Scientist von Google

Ein Grundproblem bei der Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist, dass die meisten Nutzer nicht wissen was sich dahinter eigentlich verbirgt. Dadurch reagieren die meisten Unternehmen – und das ist auch uns beim Web Summit aufgefallen – indem sie erstmal eine große Zahl von Data Scientists einstellen. Korzyrkov aber vergleicht dieses Verhalten mit einer Großküche: Statt viele gute Köche einzustellen, würde stattdessen nach Ingenieuren gesucht, die Mikrowellen bauen. Was sie damit meint? Die meisten Tools und Algorithmen, die benötigt werden um künstliche Intelligenz in Unternehmen zu nutzen, existieren bereits, aber statt diese zu nutzen, investieren viele in Grundlagenarbeit – wahrscheinlich oft, ohne dies zu wissen. Was nötig ist, ist nicht die besten Data Scientists zu haben, sondern die Ressourcen, die Ideen generieren, wie man mit den Daten kreativ umgehen kann.

Forum – Hier diskutieren die führenden Köpfe

Um grundlegende Fragen unserer digitalen Zukunft ging es im Forum. So diskutierte zum Beispiel Tony Blair mit Mircosofts President und CLO Brad Smith über die Anforderungen und Defizite aktueller Politik im Umgang mit den aktuellen Entwicklungen der Technologiebranche. Aber auch sehr spezielle Themen wurden besprochen, wie zum Beispiel die Frage, ob und wann Roboter die existierenden Jobs übernehmen werden. Während kurz und mittelfristig Roboter wohl dazu beitragen, mehr und besser bezahlte Jobs zu schaffen, gibt es langfristig eine Tendenz, dass gerade einfache Arbeiten in relativ naher Zukunft wohl wegfallen werden. Wie Politik und Unternehmen darauf reagieren werden, bleibt eine zentrale Frage.

Ben Rattray | CEO von change.org

Ein sehr spannender Beitrag im Forum kam von Ben Rattray, dem CEO von change.org, einer der größten Online-Plattformen für sozialen Wandel und mit über 25 Millionen aktiven Nutzern vermutlich die größte Petitionsplattform der Welt. Rattray ist der Ansicht, dass klickbasierte Algorithmen, wie der von Facebook, polarisierende Informationen bevorzugen und dadurch einen großen Anteil an der Verbreitung von Falschinformationen und ‚Fake News‘ haben. Unternehmen wie Facebook, die sich dessen bewusst sind, dürfen dies nicht weiterhin ignorieren und müssen hier zum Wohle aller aktiv werden. Laut Rattray überprüfen change.org den von Usern online gestellten Content und entfernen Falschinformationen oder menschenverachtende und diffamierende Inhalte umgehend.

Trubel auf dem Web Summit 2018
Viel Trubel auf dem Web Summit 2018

PandaConf – die Bühne fürs Marketing

Die PandaConf gilt als die weltweit führende Konferenz im Bereich Marketing. Während des Web Summits trafen sich hier auf der Bühne Branchengrößen, globale CMOs, führende Marken und Adtech-Startups, die über aktuelle Trends und die Erwartung an künftige Entwicklungen sprachen und diskutierten. Besonders interessant waren dabei die Diskussionsrunde mit Katharina Borchert und Lucie Beudet, sowie der Vortrag von Brad Parscale.

Lucie Beudet | Gründerin von Konbini & Katharina Borchert – CIO von Mozilla

In einer spannenden Diskussionsrunde haben Mozilla-CIO Katharina Borchert und Lucie Beudet, Gründerin von Konbini darüber diskutiert, wie die perfekte Werbeerfahrung im Online-Zeitalter aussehen sollte. Hervorgehoben wurde dabei vor allem die Bedeutung der Privatsphäre des Users, die Publisher nach übereinstimmender Meinung der beiden Diskussionsteilnehmer beachten sollten. Borchert kritisierte vor allem die inflationäre Nutzung von Werbetrackern, die viele Webseiten heute verwenden. Ihrer Meinung nach besteht bei personalisierter Werbung immer die Gefahr den Nutzer zu verschrecken. Wichtiger sei es ohnehin, dass Werbung eine Geschichte erzähle, die den Nutzer anspricht. Borchert und Beudet stimmten darin überein, dass Publisher verloren gegangenes Vertrauen durch mehr Transparenz zurückgewinnen müssen: Der User müsse die Kontrolle über seine Daten zurückerhalten.

Brad Parscale | Digital Media Director für Donald Trumps 2016 Präsidentschafts-Kampagne

Brad Parscale, der die siegreiche Kampagne Donald Trumps leitete, gab in seinem Vortrag mit dem Thema „Making marketing great again?“ interessante Einblicke ins Marketing einer Präsidentschafts-Kampagne. Ausschlaggebend für den Erfolg Trumps war laut Parscale nicht nur das richtige Targeting, sondern vor allem die richtige User-Ansprache. Parscale vertritt die Meinung, dass viele Marketer ihren Fokus auf die Identifizierung der richtigen Zielgruppe legen und dabei den Content für diese vernachlässigen. Zwar beginnt perfekter Content mit der Erhebung relevanter Daten, allerdings müsse der Nutzer anschließend auf einer emotionalen Ebene angesprochen werden. Wichtig sei es zu verstehen, wie Menschen denken und fühlen und sie hier abzuholen. Parscale zog dabei einen Vergleich zu Microsofts iPod Konkurrenten Zune. Aus technischer Sicht war der Zune dem iPod zwar überlegen, allerdings habe es Microsoft im Gegensatz zu Apple nicht verstanden den Nutzer emotional zu erreichen. Wichtig sei es zudem, eine einheitliche Botschaft über alle Kanäle zu senden.

Fazit einer gelungenen Veranstaltung

Der Web Summit bot zahlreiche interessante Diskussionsrunden und Redebeiträge von führenden Köpfen der Digitalbranche und politischen Akteuren. Wir haben spannende Erkenntnisse aus vielfältigen Themenbereichen mitgenommen und freuen uns bereits jetzt auf den Web Summit 2019.



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