Auch Linkverkauf will gelernt sein

Google scheint die Schlagzahl hinsichtlich der Thematik „Linkspam“ in den letzten Tagen (wieder) massiv erhöht zu haben: Neben dem öffentlichkeitswirksamen Tweet von Matt Cutts kurz vor der Campixx waren es am gestrigen Montag vor allem die gehäuft über Google Webmaster Tools versendeten Nachrichten ein Gesprächsthema in der Szene.

Neu dabei: Nicht nur Meldungen über unnatürliche eingehende Links machten im großen Stil die Runde, sondern auch bzgl. unnatürlichen ausgehenden Links wurden Nachrichten versendet.

Unnatürliche ausgehende Links – wie kommts dazu?

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Google auch die Linkverkäufer (wieder) stärker zur Brust nimmt. Bereits im Februar trat dieses Thema in dem Beitrag „unnatürliche Links“ auf die Agenda. Zudem wurden in der Vergangenheit bereits hier und da manuelle Maßnahmen wegen ausgehender Links publik.

Manuelle Maßnahme wegen Linkverkauf: Suchen Sie insbesondere nach möglicherweise künstlichen oder unnatürlichen Links, die auf andere Websites verweisen und zur Manipulation von PageRank dienen könnten. Zur unnatürlichen Verlinkung können beispielsweise verkaufte Links, die PageRank weitergeben, oder die Teilnahme an Linkprogrammen gehören.

Dass Nachrichten an Linkkäufer und -verkäufer zeitlich aufeinander abgestimmt sind, scheint dabei aber ein Novum darzustellen. Und kaum machen die ersten Gerüchte über eine Abstrafungswelle die Runde, sieht man schon bei der ein oder anderen Domain den PageRank purzeln – ein starkes Signal dafür, dass etwas nicht stimmt.

Was können die Gründe für eine manuelle Maßnahme wegen verkaufter Links sein?

Vorab: Grundsätzlich sind externe Verlinkungen kein Problem. Sie stellen ein wichtiges Relevanzkriterium für das verlinkte sowie auch für das verlinkende Dokument (URL) dar. Kritisch sind immer nur die Art von Links, die keinen natürlichen Anschein erwecken bzw. besitzen.

Das eigentliche Problem: Das Thema Linkkauf stellt für den ein oder anderen Webmaster einen schönen Nebenverdienst dar und ist von seither getrieben von Angebot und Nachfrage. Auf einzelne Artikel betrachtet mag das noch kein Problem sein, geschieht dies allerdings in Massen, richtet sich langsam der Scheinwerfer auf die eigene Seite.

Suchmaschinen sind in der Vergangenheit immer besser darin geworden, Muster in Backlinkprofilen zu erkennen. Diese schlagen dabei natürlich in beide Richtungen aus, also sowohl in die Käufer- als auch auf die Verkäufer-Richtung.

Hinweise auf eine Unnatürlichkeit und eine daraus folgende Abstrafung für Verkäufer kann sein:

  • Fehlende thematische Konsistenz zwischen Seiteninhalt und Linkziel
  • Linkplatzierung in nahen Umfeld zu Wörtern wie „Linktipps„, „Anzeigen“, „Sponsored Post“ und ähnlichem
  • Platzierung von verkauften Artikeln in einzelnen Ordnern, zum Beispiel /ratgeber/ (siehe auch hier)
  • Gehäuftes Auftreten von Links zu bekannten Linkkäufern auf der eigenen Website
  • Teilnahme an öffentlichen Linkverkaufsplattformen
  • Auftauchen in Listen mit linkverkaufenden Domains
  • Die gewählten Ankertexte

Das Risiko für eine Abstrafung steigt dabei natürlich mit der Quantität an unnatürlich anmutenden Links. Die Folge: Früher oder später schlägt Google mit einer manuellen Maßnahme zu.

Die manuelle Maßnahme für Linkverkauf ist da: Was nun?

Sobald eine Nachricht zu einer manuellen Maßnahme eingetroffen ist, stehen die Schweißperlen auf der Stirn: Was nun? Und vor allem: Welchen Einfluss hat die Nachricht auf das eigene Ranking?

Speziell die letzte Frage lässt sich dabei schwierig beantworten. Nicht immer erfolgt auf eine manuelle Maßnahme eine (unverzügliche) Aktion, wie z.B. eine Zurückstufung in den Suchergebnissen. Doch allein die Angst treibt betroffene Linkverkäufer um.

In manchen, allerdings doch eher seltenen Fällen, ist einem betroffenen Webmaster gar nicht bewusst, dass es auf der eigenen Website in größeren Umfang unnatürliche Links gibt. Der ein oder andere Forenbetreiber dürfte sich beispielsweise verwundert die Augen reiben. Doch auch bei guter Administration rutscht dem ein oder anderen Webmaster mal ein „Spamlink“ im Forum durch. Doch Unwissenheit befreit auch bei Google vor Strafe nicht.

Wenn Sie von einer manuellen Maßnahme wegen unnatürlicher ausgehender Links betroffen sind, sollten Sie sich auf die oben genannten Punkte (Aufzählungsliste) fokusieren. Welche Muster könnte es auf Ihrer Website geben, die Google zu der Ansicht getrieben hat, dass Ihre Website Links verkauft?

In aller Regel wird die fehlende Natürlichkeit von Ankertexten ein großer Teil des Problems sein. Selbst Ankertexte wie „hier bei trustagents.de“ sind kein Freibrief – weder für Käufer wie Verkäufer. Da das Kind jetzt aber schon in den Brunnen gefallen ist, bringt eine Umstellung der Ankertexte in großem Stil wahrscheinlich nichts mehr.

Was Sie tun können

Versuchen Sie die Muster zu brechen, treten Sie mit dem Linkkäufer in Kontakt und finden Sie gemeinsam eine Lösung. Denn beiden Seiten sollte viel daran gelegen sein, nicht von Google abgestraft zu werden. Eine Auszeichnung gesponsorter Links mit dem Nofollow-Tag ist dabei eine Möglichkeit. Die Google-Richtlinien sind hier eine gute Anlaufstelle.

Bei der Sichtung von Mustern und der Erstellung einer Übersicht dürfte auch der Artikel „Advertorials finden leicht gemacht“ eine gute Hinweisquelle sein. Leider gibt es bisher wenig Tools, die von einer Domain ausgehende Links zeigen. Bei der Erstellung einer Übersicht über ausgehende Links kann beispielsweise das Tool ahrefs.com oder die Linkfromdomain-Abfrage bei Bing helfen. Letztgenannte Möglichkeit zeigt aber weder alle Links an noch deren exakte URL auf der Seite.

Nachdem das von Google angemahnte Fehlverhalten behoben ist, steht Ihnen die Stellung eines Reconsideration Requests offen. Viel Erfolg!

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Kommentare (3)

  • Schulze, Thomas Antworten

    schicker Artikel, jetzt die Frage. Ab wann macht es Sinn wieder einen Reconsideration Request zu stellen. Sollte man da eher abwarten, oder was ist da üblich.

    • Stephan Czysch Antworten

      Hallo Thomas,

      du sprichst bewusst von wieder? Hast also schon einen gestellt? Für dasselbe Problem?

      Grundsätzlich: Sobald das Problem behoben ist, kannst du aus meiner Sicht einen Reconsideration Request stellen.

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