Typosquatting – Schütze deine Brand

Typosquatting

Wir arbeiten ja nicht nur als SEOs, sondern auch als Affiliate Berater. Ein Punkt, den wir dabei immer bei neuen Kunden überprüfen, ist, ob der Kunde auch wirklich alle Vertipper einer Domain registriert hat. Wir kennen das ja von uns selbst, dass wir oben im Browser eine Domain eintippen und uns dann verschreiben. Pfiffige Domainer/Affiliates sind so clever und registrieren sich solche Vertipper und versuchen dann über Affiliate-Links Geld zu verdienen. Andere böse Jungs versuchen so auch Malware/Spyware zu verteilen. Das kommt leider häufiger vor als man denkt. Deswegen ist es auch so extrem wichtig seinen Brand zu schützen!

Eine als attackierend gemeldete Website

Was ist Typosquatting?

Ein klassisches Beispiel für Typosquatting wären bei Google z.B. die Domains goggle.de oder gogle.de. In diesem Fall hat Google beide Varianten registriert und entsprechend auf die richtige Präsenz umgeleitet. Aber selbst Google hat nicht alle Vertipper registriert. Wenn wir uns mal eine Übersicht von möglichen Google Vertippern anschauen, dann sehen wir, dass selbst Google nicht alles in seinem Besitz hält.

Zum Beispiel wäre die Domain gmogle.de noch frei.

Was ist Bit Flipping?

Bei der Domain gmogle.de würde es sich um eine Bit Flipping Typodomain handeln. Das ist im herkömmlichen Sinne kein richtiger Typo, sondern eine Speicher-Anamolie, die in Millionen verarbeiteten Daten durchaus mal vorkommen kann. Fehlerhafte Speicherbausteine begünstigen diese Bit Flippings. Aber schauen wir uns das hier mal an einem konkreten Beispiel an.

Hier sehen wir wirklich ganz schön, dass genau ein Bit (Rot) geflippt ist. Theroetisch kann sowas bei jeder Anfrage passieren.

Bringen Typodomains wirklich Traffic?

Doch passiert sowas auch wirklich? Wir haben uns zu Testzwecken eine große Elektrofachmarktkette rausgesucht, deren Namen wahrscheinlich jeder von euch kennt und haben uns eine Handvoll verschiedene Typodomains (Bit Flipping Domains und normale verschreiber Domains) für eine Woche registriert. Diese Domains sind heute gelöscht worden. Das Ergebnis hat mich persönlich nicht überrascht: Selbst mit nur einer Handvoll Domains konnten wir über 50 Unique Visitors in einer Woche generieren. Wir haben die Domains über ein Redirect-Script von uns auf die richtige Seite geleitet und konnten so sehr genau sehen, wie viele Leute die Domains eingetippt hatten.

Dieser Traffic ist wirklich sehr wertvoll, denn der User hat ja eine klare Ambition eine bestimme Webseite aufzurufen. Wenn der entsprechende Shop ein Affiliateprogramm hätte, kann ich mir durchaus vorstellen, dass die Conversion-Rate solcher Navigational User sehr hoch wäre. Theoretisch genauso hoch, wie direkter Typin-Traffic. Also wirklich schöner Traffic, den jeder Affiliate gerne hätte. Aber gibt es Affiliates, die genau diese Strategie fahren?

Wie sieht sowas in der Praxis aus?

Wir haben uns ein dutzend große Marken mit Partnerprogrammen angesehen und haben versucht zu analysieren, ob es sogar ein Geschäftsmodell ist. Ich kann sagen, wir sind dabei durchaus fündig geworden.

Hier haben wir einen freundlichen Domainregistrierer gefunden, der zum Beispiel knapp 23 von unseren gecheckten Domains in seinem Besitz hält.

Schauen wir uns einfach mal an, was unser freundlicher Kollege macht, wenn ein User diese Typodomains aufruft:

  1. Der User gibt die falsche Domain ein.
  2. Der User wird sofort im Header auf eine neue URL redirected.
  3. Dieses Script redirected über die Affiliate URL auf die Hauptdomain des Partnerprogramms.

Durch das Script verschleiert der Affiliate die wahre Herkunft des Users besser und kann auch genauer messen, über welche Typodomain der Traffic rüberkam. Sobald eine Domain mehr Einnahmen als 2 bis 10 Euro einspielt, ist diese Domain rentabel und kann behalten werden. Die unrentablen Domains können dann wieder abgestoßen werden. So kann man ein sehr profitables Geschäftsmodell führen.

Für den User ist das nicht mal schlimm, da er ja genau dahin geleitet wird, wohin er will. Somit sehe ich das auch nicht wirklich als „Betrug“, sondern fast schon als Dienstleistung. Wesentlich schlimmer sind Typosquatter die über solche Domains Attacken auf User fahren und versuchen, PCs mit Malware oder sonstigen Viren zu infizieren. Dennoch muss man sagen, dass sich Affiliates auf sehr dünnen Boden begeben, wenn Sie solche Domains registrieren, da es rechtlich gesehen mehrere Urteile gibt, die klar sagen, dass man gegen das Namesrecht verstößt!

Recht oder Unrecht?

So urteilt zum Beispiel das OLG Köln (Urteil vom 10.02.2012 – 6 U 187/11): „Der Betreiber einer Website kann Ansprüche wegen Namensmissbrauchs und wettbewerbswidriger Behinderung gegen die Verwendung einer Domain geltend machen, die in Form typischer Eingabefehler an die Domain seiner Website angelehnt ist und zielgerichtet zur Umlenkung von Internet-Besucherströmen eingesetzt wird. Auf eine Branchen- oder Produktnähe kommt es dabei nicht an.

Fazit

Theoretisch entsteht für die Partnerprogramm-Betreiber ein Verlust durch Typodomains, die sich nicht in ihrem Besitz befinden. Jeder von uns ist darauf bedacht, einen Brand auch aus SEO-Sicht aufzubauen und somit werden auch Vertipper von Type-In Traffic immer wahrscheinlicher. Die Kosten der Domains sind niedrig und den Stress, den man hat, um sich diese Domains wieder zurück zu holen kann man sich sparen, indem man möglichst viele Varianten seiner Brand frühzeitig registriert und sich so das Risiko solcher Typosquatter minimert.

Damit verabschieden wir uns in die Winterpause und wünschen euch allen ein besinnliches Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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Kommentar (1)

  • CEC Promotions Antworten

    Wir haben ein Problem mit Typosquatting, welches aber nicht auf eine andere Seite sondern auf eine neutrale, vollständig weiße Seite weiterleitet. Somit haben wir laut unserem Anwalt keinen wettbewerblichen Unterlassungsanspruch:

    „In den Fällen des – hier in Rede stehenden – Behinderungswettbewerbs liegt ein solches Wettbewerbsverhältnis schon dann vor, wenn die „konkrete geschäftliche Handlung objektiv geeignet und darauf gerichtet sei, den Absatz des Handelnden zum Nachteil des Absatzes eines anderen Unternehmers zu fördern“ (vgl. Köhler/Bornkamm UWG, 30. Aufl. § 2 Rz. 102). Es kommt danach in diesen Fällen nicht darauf an, ob sich die Parteien an dieselben Abnehmerkreise wenden. Würde man dies auch für den Behinderungswettbewerb voraussetzen, so wären Eingriffe eines Marktteilnehmers aus einer ganz anderen Branche nicht zu erfassen, obwohl sie sich in gleichem Maße behindernd auswirken können wie solche von Mitbewerbern aus derselben Branche.“

    Somit kann derjenige zwar keinen Traffic für sich selbst generieren, dafür aber von der Konkurrenz ins nichts leiten. Hier hilft nur noch eine Klage, welche aber nicht sicher ist.

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