Erst gehen URLs, dann Links?

Es tut sich etwas in der Browser-Welt. In der neusten Chrome Beta-Version werden die für SEO wichtigen URLs nicht mehr in der Browserzeile angezeigt!

Wie der Screenshot zeigt, wird anstelle von https://www.facebook.com/trustagentsgmbh in der Browserzeile nur facebook.com dargestellt, gefolgt von einem Google-Suchfeld. Dieses fungiert gleichzeitig als Möglichkeit, um URLs einzutippen.

Google Chrome zeigt die URL nicht mehr an

Werden in Zukunft weniger natürliche Links gesetzt, da die URLs im Browser fehlen?

Mit einem Marktanteil von rund 20% zählt Google Chrome zu den beliebtesten Browsern in Deutschland. Wenn man sich vor Augen führt, wie der Durchschnittsnutzer einen Link setzt, ist die aktuell angedachte Änderung ein großer Einschnitt für die SEO-Welt. Um einen Link zu setzen, gehen Nutzer wie folgt vor: Klick in die Adresszeile, URL kopieren, einfügen, fertig.

Doch in der Beta führt ein Klick in die Browserzeile zu nichts – die URL wird dadurch nicht sichtbar. Was nicht da ist, kann folglich nicht kopiert werden. Ein Klick auf den Domainnamen lässt die URL zwar erscheinen, allerdings ist dies eine zusätzliche Aktion. Und welche Folgen ein zusätzlicher Klick in der Onlinewelt hat, muss sicher nicht genauer ausgeführt werden.

URLs werden in Chrome durch einen Klick auf den Domainnamen angezeigt

Wohin kann die Änderung – wenn sie kommt – führen? Aus meiner Sicht zu einer geringeren Anzahl an natürlich gesetzten Links. Fairerweise muss ich sagen, dass der Chrome-Browser so konfigurieren werden kann, dass URLs auch in Zukunft direkt angezeigt werden. Doch ob Laien eine solche Änderung durchführen, bezweifel ich.

Somit haben „Social Links“ einen immensen Vorteil: Durch einen einfachen Klick auf den entsprechenden Button ist die URL geteilt. Werden „Social Links“ also wichtiger? Und wie geht Google damit um, wenn diese nicht bei Google+ einlaufen sondern bei Facebook und Co? Eventuell sehen wir in Zukunft wieder „Kopieren Sie diesen Link“ Einbettungen auf Websites, um Nutzern eine alternative Möglichkeit anzubieten, um wie gewohnt Links zu setzen.

Ich bin gespannt und harre der Dinge.

P.S. Der Chrome-Browser ist mit der Nicht-Anzeige der URL übrigens nicht der Vorreiter: der Safari-Browser blendet URLs bereits seit iOS7 aus. Soweit mir bekannt, ist dies allerdings nur auf „mobilen Geräten“ der Fall. Was aus meiner Sicht durchaus Sinn macht, da aufgrund der geringeren Displaybreite die meisten URLs sowieso nicht vollständig angezeigt werden. Die Änderung standardmäßig (eventuell) für alle Geräteklassen auszurollen hat eine ganze andere Reichweite. Zumal ich behaupten würde, dass sich das Teilen von URLs über Smartphones und Tablets vor allem im sozialen Bereich abspielt und die meisten Browser hierfür eigene Sharing-Optionen anbieten.

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Kommentare (7)

  • Stephan Antworten

    Das wird viele Phishing-Webseiten aber freuen 😉

    Anstatt so nen Firelefanz umzusetzen, sollten die Devs mal lieber die Feature-Anfragen der Nutzer angehen.
    Ich warte schon seit Jahren darauf, die Tabs unten zu platzieren.

  • Stephan Czysch Antworten

    Zur Erkennung von Phising Seiten ist die Anzeige der Domain sicherlich hilfreich. Aber dennoch sollte es auch in Zukunft so sein, dass man eine URL einfach kopieren und teilen kann.

    Gibt es denn für dein Anliegen kein Plugin? War erstmal erstaunt, dass mir Firefox 29 die Addon-Leiste geraubt hat. Jetzt habe ich noch ein zusätzliches Plugin installieren müssen um die Leiste wieder anzuzeigen…

    • Stephan Antworten

      Leider gibt es für Chrome gar keine Lösung mit den Tabs. Ich hab schon stundenlang recherchiert. Seit 2010 fragen Leute danach. Für jeden kleinen Tweak jedesmal Plugins zu installieren, kanns doch aber auch net sein 😉

  • Wolfgang Antworten

    Hm, damit dürften der Internet Explorer, Firefox (obwohl – das 29er Update war auch ein Flop), Opera, etc. ja wieder deutlichen Zulauf bekommen.

  • Andreas Antworten

    Kuuukl ist schon immer und überall, weshalb man da noch freiwillig deren Browser benutzt erschließt sich mir nicht, aber egal…

    „…dass der Chrome-Browser so konfigurieren werden kann, dass URLs auch in Zukunft direkt angezeigt werden. Doch ob Laien eine solche Änderung durchführen, bezweifel ich.“
    Ich bezweifel, dass Chrome-Browser-User Laien sind.
    Ich bezweifel auch, dass zukünftig weniger natürliche Links gesetzt werden.
    Ich bezweifel nicht, das solch „Gängelung“ Methode hat.

  • JMB Antworten

    „Ich bezweifel, dass Chrome-Browser-User Laien sind.“

    Aber ganz ganz sicher, da nur Laien vergessen bei einer Installation von einem Programm die Checkbox „Wollen Sie den Chrome Browser mit installieren“ zu entfernen. Daher auch der hohe Marktanteil von Chrome…(don’t be evil)

  • wingthom Antworten

    Das wird die Zahl der Suchenden erhöhen, die dann von den Suchergebnissen aus Google+ ansteuern. Ich hatte gestern eine Ergebnislisten-Variante, bei der neben einem Ergebnis bei Mouse-Over direkt „Teilen“ auftauchte… gemeint war aber Google+. Aus meiner Sicht ein cleverer Schachzug, wenn der Leser nicht mehr aus der Browser-Zeile einen Link kopiert (weil er es nicht mehr kann), sondern sich dafür (wieder) den Suchergebnissen von Google zuwendet. Mehr Sichtkontakte mit den Suchergebnissen = mehr Suche = mehr Adsense-Einnahmen. Und auch mehr Google+ (selber Effekt.)

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