Die Geschichte vom Cross-Domain-Canonical

Die Verwendung des Canonical-Tags (rel=“canonical“) hat mittlerweile bei vielen Shops und Websites Einzug gehalten. Sei es beim Thema Parameterhandling oder bei der einfachen URL-Validierung – das Canonical-Tag unterstützt Webmaster bei der Kontrolle und der Bändigung doppelter Inhalte auf verschiedenen (internen) URLs, die man eventuell anderweitig nicht umschiffen kann. Klar, die übermittelte kanonische URL ist dabei lediglich eine Empfehlung an die Suchmaschine. Wenn man jedoch nicht all zuviel Komplexität in die Integration hineinbringt, so werten Google & Co. die gesetzten Canonical-URLs mit hoher Wahrscheinlichkeit (Annahme: URL B ist dabei größtenteils identisch mit den Inhalten von URL A) und sorgen somit für weniger Duplicate Content im Web bzw. auf der eigenen Domain.

Denkt man einen kleinen Schritt weiter, so kann man via Canonical-Tag auch einen Domain(teil)umzug stemmen – wie auch von Google empfohlen, wenn man keine permanente Weiterleitung setzen kann oder möchte oder Probleme mit den Google Webmaster Tools hat. Ähnlich wie beim harten 301-Domainumzug zieht man dabei vermutlich auch eventuelle Altlasten mit (quod esset demonstrandum). Dazu habe ich im Folgenden zwei, wie ich finde, interessante Beispiele aus dem alltäglichen SEO-Leben, die kurz und knapp die weiteren Möglichkeiten des Canonical-Tags aufzeigen sollen.

Beispiel A: teilweiser Domainwechsel

Nehmen wir an, eine große Marke möchte mit einem kleineren Label durchstarten, das Angebot ist dabei jedoch teilweise identisch. Um einen direkten Einstieg für interessante Begrifflichkeiten in den SERPS zu erzielen, für die die Domain des Brands bereits gut positioniert ist (die Branddomain möchte das Sortiment langfristrig auslagern), wurden die Canonical-Tags diverser Kategorie- und Produktdetailseiten so gesetzt, dass sie auf die neue Domain des kleineren Labels zeigen. Ein 301-Redirect war an diese Stelle nicht gewünscht bzw. gewollt, da das Angebot auf der Brand-Domain weiterhin abrufbar/verfügbar sein soll. Den Effekt für die einzelnen Keywords kann man gut an den folgenden beiden Rankingcharts ablesen:

Positionsveränderungen für Keyword A vor und nach dem Teilumzug

Positionsveränderungen für Keyword B vor und nach dem Teilumzug

Quelle: Rankingvergleiche tools.sistrix.de (zeitlicher Verlauf jeweils eine KW)

Mit Abstrichen erreich(t)en die Keywords quasi im direkten Wechsel nahezu die alten Rankings – auch über den weiteren, zeitlichen Verlauf hinweg. Theoretisch ideal also, für die Auslagerung von Inhalten und Produkten, sofern natürlich nötig und gewünscht. Der Content bleibt auf der Ursprungsdomain ersichtlich und für Nutzer „greifbar“, erzielt aber entsprechende Rankings mit der neuen Domain. „Klar“, werden jetzt einige sagen, „dies ist ein Sonderfall“. Allerdings gibt es neben dem angesprochenen Label/Produkt/Themen-Wechsel auch die Möglichkeit, gewisse Penalties auf Verzeichnisse/URLs zu umschiffen (quod esset demonstrandum). Für einen kompletten Domainumzug gilt zumindest ähnliches:

Beispiel B: kompletter Domainumzug

Ein eher einfaches Affiliate-Projekt aus dem (lukrativen) Gutscheine-Bereich (Sistrix-Sichtbarkeit stets unter 1) verfolgt mich nun schon mehrere Jahre. Der gute Panda hatte vor gut zwei Jahren berechtigterweise den dünnen Content bemängelt und die Rankings im Nirgendwo verschwinden lassen. Eine erste Runde mit frischem Content brachte nicht den erhofften Erfolg. Irgendwann kam daher dann der Tag der Entscheidung: 301-Redirect auf eine neue Domain oder die Variante mit dem Cross-Domain-Canonical. Da bis dato nur wenige mir bekannte Portale den Canonical-Tag-Weg eingeschlagen hatten, entschied ich mich kurzum für die softere der beiden Lösungen. Domain A blieb also erhalten und wurde einfach auf Domain B gespiegelt. Der Aufwand hielt sich dabei in Grenzen, da die Installation die gleiche blieb (Stichwort: Domain Mapping). Ebenso unkompliziert gestaltete sich dann das globale Setzen des Canonicals im Head-Bereich. Nach gut einer Woche zeichnete sich dann folgendes Bild ab:

Veränderung nach erstmaligem Cross-Domain-Canonical-Einsatz

Quelle: Sichtbarkeitsverlauf tools.sistrix.de

Offen ausgesprochen: Dies blieb nicht der einzige Domainwechsel (siehe Abbildung unten) und man kann bei dem Projekt nicht von einem Qualitätsprodukt oder Beständigkeit sprechen. Allerdings ist es ein spannendes, weil auch lehrreiches Projekt. (Kreativer) Linkaufbau wurde übrigens seit gut vier Jahren nicht mehr betrieben, weder für die Ursprungs- noch für die folgenden Domains. Was ich feststellen konnte: Von Domainwechsel zu Domainwechsel scheint eine gewisse Power auf der strecke zu bleiben, verschiedene Rankings erreich mal Top-, mal Floppositionen. Ohne viel Aufwand lässt sich damit allerdings über einen unbestimmten Zeitraum aktuell Traffic „abgreifen“ – zumindest Stand heute.

Buntes Farbenspiel: Canonicals in Reihe geschaltet

Quelle: Sichtbarkeitsverlauf tools.sistrix.de

Fragen, die ich an dieser Stelle nicht genau (er)klären kann: Gibt es eine automatische Erkennung (mieser Content, Freshness, Absprungrate, Verweildauer) oder beruht der erneute Rankingabsturz auf einem manuellen „Anschiss“ eines genervten Mitbewerbers? Spannend vorallem, da die Intervalle der guten Rankings pro Domain höchst unterschiedlich ablaufen – mal haben sie nur ein bis zwei Wochen bestand, ein anderes Mal wiederum knapp ein ganzes Jahr. Liegt es vielleicht auch an den TLDs? Beim Wechsel in fremde TLD-Regionen (der Ursprungsdomain abweichende TLDs) konnte ich einen schnelleren Abfall feststellen, als bei einem Domainwechsel innerhalb der „Ursprungs“-TLD (siehe oben, gelber Verlauf) – vielleicht ja auch nur Zufall, vielleicht ja aber auch ein Qualitätssignal?

Learnings?

Ähnliche Szenarien wie unter Beispiel A genannt, habe ich mittlerweile schon öfter gesehen (Portale verschiedener Branchen) – zum Teil auch in Verbindung mit einem Canonical im HTTP-Header (offensichtliche Spuren verwischen?). Auch das „Canonicaln“ von mehreren Domains auf ein einziges Projekt soll desöfteren vorkommen. Bezüglich dem unter B genannten Projekt bestehen keine größeren Risiken, da man als einfacher Affiliate eher die nützlichen Vorteile (Traffic, Sales/Leads) generieren kann. Empfehlen würde ich diese Variante des mehrfachen Domainwechsels via Canonical aber ausdrücklich nicht.

Der Artikel soll nicht als Spamaufforderung verstanden werden. Mir geht es eher um einen Austausch von Erfahrungen zu dem Cross-Domain-Canonical an sich, aber auch um den Aspekt der Learnings, die man z.B. aus dem Teil-Domainumzug ziehen kann. Die Strategie, mit Hilfe des Cross-Domain-Canonical „den Karren“ bei problembehafteten Domains „aus dem Dreck zu ziehen“, ist für Shops und (große) Brands eh wenig bis gar nicht geeignet, zumal die Beständigkeit problematisch ist. Für kleinere Websites und Projekte (u.a. Satelliten-Domains) stellt dies aber durchaus eine beliebte und interessante Möglichkeit dar, gegebenenfalls verbrannte Erde wieder neu zu bepflanzen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

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Kommentare (4)

  • Stephan Antworten

    Evtl. Recency Bonus bei jedem neuen Canonical?

  • Benedikt Antworten

    Die Domains waren auf jeden Fall vorher nicht registriert und wurden jungfräulich bespielt. Beim Wechsel auf eine bereits zuvor bekannte Domain, die bereits indexierte Inhalte vorzuweisen hatte, gab es nicht viel Grund zur Freude…

  • Julian Antworten

    Wir haben mehrere Domainauflösungen per Canonical getestet. Naja ein Test war es nicht, war uns schon ernst, aber hat am Ende nicht geklappt.
    Rankings gingen kurz hoch bzw. wurden übertragen. Aber sind nach ein paar Wochen wieder gefallen wie bei dir auch zu sehen. Auch nach mehreren Monaten hat sich hier nichts mehr getan, so dass wir die Domains dann einfach dicht gemacht haben und einen noindex gesetzt haben.

    man muss dazu sagen dass die Domains sehr sehr ähnlich waren und Google das Konglomerat als solches erkannt hatte. Kann man ja mal ausführlich an der Theke drüber sprechen, witzige Geschichte

  • Pingback: SEO Jahresrückblick 2013 | 100grammseo.de

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