Advertorials erkennen leicht gemacht

Barry Schwarz von Searchengineland hat in dieser Woche auf Aussagen des Google Spam-Hüters Matt Cutts auf der SMX hingewiesen, in dem neben einer neuen Iteration des Panda Updates auch ein großes Pinguin-Update für dieses Jahr angekündigt wurde. Prompt schießen „Was wäre wenn?“-Gedanken durch den Kopf und nicht wenige Webmaster fragen sich, ob nicht eine präventive Maßnahme angebracht wäre. Stecken aktuell eventuell als „Sponsored Posts“ gekennzeichnete Artikel im Backlinkprofil, die durch ein kommendes Update der Website eventuell schaden könnten? Da das Durchschauen jedes einzelnen Links sehr zeitraubend ist, wäre zumindest eine teilautomatisierte Lösung eine riesige Zeitersparnis. Also gehen wir es an!

Sponsored Posts & Co. einfach finden

Wer eine Liste mit Backlinks der eigenen Website vorliegen hat, ist direkt im Vorteil – man muss natürlich wissen, wo man suchen muss. Da das manuelle Durchleuchten des Backinkprofils nach „Sponsored Posts“, „Anzeige“, „Werbung“, „Advertorial“ und Co. nicht den smartesten Ansatz darstellt, brauchen wir ein Tool, welches uns bei der Arbeit unterstützt. Wie im letzten Beitrag über die Backlinkdaten der Google Webmaster Tools erwähnt, kann der Screaming Frog SEO Spider ein ziemlicher Zeitsparer sein. Doch auch SEO Tools for Excel kann für diese Aufgabe verwendet werden.

Screaming SEO Frog Logo

Während die gängigen Backlinktools neben der Linkquelle auch den Ankertext und das Linkziel bereitstellen, werden andere Informationen auf der Seite nicht abgespeichert. So ist es meistens nicht möglich, nach Links zu filtern, bei denen eine Kennzeichnung, z.B. als Werbung, zu finden ist. Um diese Information zu bekommen, kann der Screaming Frog genutzt werden.

Schritt 1: Linkquellen vorbereiten

Zu allererst wird eine Liste mit Backlinkquellen benötigt, auf denen der Screaming Frog nach der von uns gewünschten Information suchen soll. Sobald diese Liste im .txt-Format vorliegt, kann der Crawling-Vorgang beginnen.

Schritt 2: Modus des Screaming Frog auf „List“ ändern

Die vorher erstellte Liste mit den Linkquellen muss an den Screaming Frog übergeben werden – dazu muss der Modus auf „List“ umgestellt werden und die .txt-Datei geöffnet werden.

Schritt 3: Custom Filter festlegen

Die Custom-Filterfunktion ist der Schlüssel zur Lösung der Fragestellung: Wenn Seiten gefunden werden sollen, die z.B. „Werbung“ oder „Advertorial“ enthalten, muss ein Custom-Filter, z.B. „contains: Werbung“ angelegt werden. Da nur fünf Filter definiert werden können, muss unter Umständen der Crawling-Vorgang mehrfach durchgeführt werden.

Schritt 4: Das Ergebnis analysieren

Nachdem der Crawling-Vorgang abgeschlossen ist, können einige Seiten aufgelistet werden, die das gesuchte Wort (oder den gesuchten Wortteil, wenn z.B. nur nach „werb“ gesucht wurde) enthalten. Jetzt muss man nicht direkt in Panik verfallen, da die aktuelle Information nur besagt, dass z.B. „Werbung“ auf der Seite vorkommt – aber nicht wo. So muss das Auftreten des Wortes Werbung im Zusammenhang von „bekannt aus der TV-Werbung“ nicht als „Oh Gott, schnell weg mit dem Link“ gewertet werden. Nicht wenige Seiten bieten auch im Footer die Möglichkeit an, auf der Domain zu werben – dass der Artikel deshalb gekauft ist, wird damit nicht direkt impliziert.

Von daher muss die jetzt erstellte Liste nochmals manuell durchgeschaut werden. Doch dank der Vorarbeit des Screaming Frogs sollte der Arbeitsaufwand deutlich gesunken sein.

Wer Screaming Frog nicht sein Eigen nennt, kann als Alternative auf die kostenlosen SEO Tools for Excel zurückgreifen. Das Zauberwort ist hier die Funktion „IsFoundOnPage“, mittels der man URLs auf das Auftretens eines Terms checken lassen kann.

Die Alternative zum Abbau und Disavow: Probier es doch mal mit nofollow!

Sollten Links mit welchem Terminus auch immer ausgezeichnet sein, stellt sich die Frage, wie man damit umgeht. Den Link entfernen lassen ist eine Option, ihn zu „disavowen“ die andere. Google-konform wird die ganze Sache aber auch, wenn man auf das Nofollow-Attribut zurückgreift. Der Vorteil: Der Link ist immernoch für Nutzer sichtbar und kann weiterhin Traffic für die Website generieren.

Was man bedenken muss

Das vorgestellte Vorgehen mit dem Screaming Frog nimmt ungemein viel Arbeit ab, kann aber unter Umständen manche als „Anzeige“ gekennzeichneten Links nicht erkennen. Da findige Linkbuilder und Linkverkäufer die Kennzeichnung des verkauften Artikels z.B. in Form eines Bildes hinterlegen, scheitert die vorgestellte Methode, sofern das Bild nicht „anzeige.png“ genannt wurde.

Darüber hinaus ist es auch gar nicht klar, ob sich Google solche Links (nochmals) verstärkt vornehmen wird oder ob nicht andere Anomalien im Backlinkprofil eine Abstrafung durch ein neuerliches Google-Algorithmusupdate bewirken werden.

Diesen Artikel teilen



Kommentare (4)

  • Andrea Puiatti Antworten

    Ich habe immer andere Tools benutzt (seomoz, raven usw).
    Screaming Frog habe ich gerade gestern auf diese SEO checklist gefunden und probiert: https://docs.google.com/spreadsheet/ccc?key=0AlgVNSddFpwxdEJrZmpQaFpQZFVTUHVLZ0psWjVNeUE#gid=28
    Ich finde die URL Info/In Links/Out Links/Image Info Funktionen sehr bequem, man hat sofort ein schnelles Überblick.
    Ich konnte z.B. gestern in 10 Minuten eine lange Liste von Images die keine ALT Attribute hatten exportieren: die sogenannte „Advanced Export“ Funktion war deswegen sehr Nützlich.

  • ewood Antworten

    Hallo,

    vielen Dank für den Artikel. Screaming Frog ist eine super Geschichte. Leicht zu bedienen und liefert verlässlich die gewünschten Daten. Desweiteren finde ich die Alternative „nofollow“ irgendwie am elegantesten. Und es bedeutet ja nicht, dass man früher oder später den Link wieder auf „dofollow“ setzen kann.

  • derlinkdoktor Antworten

    Eine weitere Methode wäre natürlich grundsätzlich jeden Link den man setzt, welcher bei einem sponsored Post, Advertorial oder wie man das Pferd nun nennen mag, immer Geld kostet(ich weiß keiner kauft und verkauf Links) auf nofollow setzen zu lassen…denn leider haben Verlage und/oder Redaktionen keinen blassen Schimmer von nofollow und dofollow und glauben immer auf der sicheren Seite zu sein wenn Sie den Text mit „Werbung“, „Advertorial“ oder „sponsored Post“ kennzeichnen…

    Nach dem aber Google sowieso keine Panda oder Pinguin Updates mehr ankündigen will, sollte man die Methode von Stephan vielleicht im monatlichen Rhythmus anwenden um sicher zu gehen dass man nicht doch mal einen „freiwilligen“ Link bekommen hat der mit Werbung oder sonst was gekennzeichnet ist und auf dofollow steht…;-)

  • MW Antworten

    Eigentlich hat Google SEO-technisch in Bezug auf Advertorials nur darauf hingewirkt, dass die in den meisten Ländern geltende Rechtslage eingehalten wird: http://www.recht-freundlich.de/redaktionelle-beitrage-trennung-zwischen-information-und-werbung

    Denn nicht gekennzeichnete Werbung ist eben Schleichwerbung, und kann im schlimmsten Fall (je nach Land und gesetzlicher Regelung) zu Abmahnungen, Anwaltsgebühren und Gerichtskosten führen. Muss nicht sein, also weder rechtlich noch SEO-mäßig.

Hinterlasse einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.