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Wer seine Website(s) auf den vorderen Plätzen der unbezahlten Google-Websuche platzieren will, muss heutzutage erstmal an Googles tierischer Armee vorbei. Mit den aktuellen Hauptgegnernherausforderern Panda und Pinguin ist allerdings nicht gut Kirschen essen! Speziell die Pinguine machen einer zu unvorsichtig durchgeführten (Offpage-)Optimierung einen gewaltigen Strich durch die Rechnung! Doch wie kommt man heutzutage ungestraft an den Pinguinen vorbei? Das Buzzword der letzten Monate sind “natürliche Ankertexte“. Doch was ist das eigentlich?
Unter einem Ankertext (von Zeit zur Zeit auch “Linktext” genannt) versteht man die Wörter, die gewählt wurden, um auf eine andere Website zu verweisen. Wenn man auf das Wort “hier” klicken kann, dann ist “hier” der Ankertext des Links, der auf die URL verweist.
Ankertexte werden häufig so gewählt, dass sie den Inhalt der angelinkten Seite in wenigen Worten zusammenfassen. Wenn eine Seite mit “Google Webmaster Tools E-Book” verlinkt wird, geht es auf der verlinkten Seite mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit (im Groben) um dieses Thema. Das muss allerdings nicht so sein, im Sinne der Usability macht es aber durchaus Sinn, inhaltsbeschreibende Wörter als Ankertext zu verwenden.
Da Suchmaschinen genau von diesem letzten Fall ausgehen, werten sie Ankertexte aus. Wenn eine URL häufig zu einem bestimmten Thema (bleiben wir bei Google Webmaster Tools) referenziert wird, scheint diese URL für dieses Thema (und u.U. ähnliche oder weitere) relevant zu sein. Denn eine Masse an verschiedenen Webmastern kann sich nur schwer irren und diese werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch sinnvolle bzw. relevante Ankertexte wählen.
Das haben auch SEOs erkannt und nutzen Ankertexte, um die Relevanz einer Webseite für ein bestimmten Suchbegriff zu erhöhen. Soweit zu den Basics.
Häufig werden Ankertexte in folgende Gruppen unterteilt:
Besonders die dritte Kategorie wurde vor einigen Jahren exzessiv von SEOs genutzt, um das Ranking einer Seite zu optimieren. Hier mal ein Link mit “Möbel”, da noch einer und als kleine Variation “Möbel günstig” hinterher – blöd war daran nur, dass ein durchschnittlicher Webmaster selten solche Ankertexte gewählt hätte, wenn er (auf freiwilliger Basis) eine Webseite empfehlen wollen würde. Das war aber den meisten SEOs erstmal egal, denn diese Art an Verlinkungen hat wunderbar funktioniert.
Das Spiel wurde soweit getrieben, dass in einem Satz wie “… gibt es in diversen Möbelshops” nur “Möbelshop” ohne s am Ende verlinkt wurde, da das Suchvolumen für die Singularversion höher war. Oder: “Gibt es bei Möbel Berlin” – das sah dann teilweise sehr ulkig aus…
Ich habe eben bereits von “durchschnittlich” gesprochen – denn genau hier liegt das Problem. Wenn eine Seite überproportional häufig mit Ankertexten wie “Möbel” empfohlen wird, sieht das etwas unnatürlich aus – einfach dadurch, dass es nicht den Erwartungswerten der Suchmaschinen entspricht. Denn Suchmaschinen wissen aufgrund statistischer Berechnungen, dass es sehr komisch ist, wenn eine URL von verschiedenen Webmastern (zu unterschiedlichen Zeitpunkten) von unterschiedlichen Domains mit exakt denselben Ankertexten verlinkt wird.
Das haben auch irgendwann die Wald und Wiesen SEOs begriffen und die Taktik angepasst: Vielleicht würde ein durchschnittlicher Webmaster auch mal “domainname” als Ankertext verwenden und nicht immer nur “Möbel”. Oder eine Kombination aus “domainname” und einem inhaltsbeschreibenden Wort, z.B. “Möbel bei domainname”. Oder mal gar kein Keyword und nur Wörter wie “hier” oder “auf dieser Webseite”. Damit wurden Backlinkprofile zumindest ein Stück weit in Richtung “Natürlichkeit” verändert.
Auf was haben es Pinguine also abgesehen? Auf Auffälligkeiten im Backlinkprofil und damit auch bei den verwendeten Ankertexten.
Wenn eine Domain zu viele Links mit Keywords erhält, kann das als Signal gewertet werden, dass manipulative Verlinkungen gesetzt wurden. Oder wenn Linkquellen verwendet wurden, die Qualitätskriterien der Suchmaschinen wider- bzw. nicht den Normalwerten im Web entsprechen.
Auf jeden Fall nicht “Möbel” oder “Möbel Berlin”, sondern Ankertexte, die Erwartungswerten entsprechen und nicht manipuliert aussehen. Viele Webmaster denken bei der Wahl der Ankertexte nicht direkt an SEO, sondern wählen die verlinkenden Wörter intuitiv aus. Damit wird natürlicherweise eine Domain wie trustagents.de auch häufig mit dem Domainnamen oder anderen Wörtern angelinkt, die den Inhalt beschreiben – aber sehr selten mit exakt denselben.
Wenn ich zehn Leute fragen würde, mit was sie die Startseite von uns beschreiben würden, wäre die Antwort garantiert nie nur “SEO Agentur” oder “SEO Berlin” – sondern ein Sammelsurium an Begriffen, die das Thema der Seite mal exakter und mal ungenauer treffen. Wenn man Webmastern Ankertexte vorgibt, ist es i.d.R. nicht natürlich. Lasst eure Kooperationspartner eure Seite mit den Begriffen verlinken, mit denen sie wollen und greift nur ein, wenn der Webmaster schon “verSEOt” wurde und deshalb von alleine nur Keywords verlinkt.
Im Web kommt es nicht selten vor, dass Ankertexte wie “hier” oder das bereits vielfach genannte “auf dieser Webseite” gewählt wurden. “Ja super”, wird sich mancher SEO (und damit auch viele Agenturen) gedacht haben, dann nehmen wir doch häufig diese Ankertexte und auf geht’s Pinguine erlegen. Doch Stop! Auch hier hat die Natürlichkeit ihre Grenzen!
Ich musste erschrocken feststellen, was manche Agenturen ihren Kunden ohne schlechtes Gewissen verkaufen. Beispielhaft dazu ein eine Auswertung der fünf häufigsten Ankertexte einer Domain: (p.s. Die Werte wurden von mir geringfügig verändert, um Rückschlüsse auf die Domain zu erschweren).
Datenquelle: www.seolytics.de
Einfach mal die Zahlen wirken lassen. Sehr natürlich, dass so viele Webmaster sich für “hier” und “da” entschieden haben *Ironie*.
Ich will den Namen der Domain (und der betreuenden Agentur) nicht nennen, aber mit “natürlichem Linkaufbau” hat das wenig bis nichts zu tun. Außerdem passen “Linkaufbau” und “natürlich” nicht gut zusammen und Google-konform ist Linkaufbau im großen Stil von vornherein schonmal gar nicht. Das betrifft aber letztendlich alle, die gezielt nach Backlinks suchen.
Wenn man noch weiter gehen würde, könnte man sich auch die Linkquellen anschauen:
Datenquelle: www.seolytics.de
Aber lassen wir das mal an dieser Stelle.
Zurück zu den Ankertexten: Viele Agenturen empfehlen hier die Verwendung des Domainnamens als Ankertext. Hier muss ich sagen: Ja, das ist immernoch besser als “Möbel”, aber auch hier sollte man mit Bedacht vorgehen.
Ist es nicht komisch, wenn es viele Links mit “markenname.de”, “Markenname” etc. gibt, aber niemand in der Google-Suche nach dieser Domain bzw. dem Namen sucht? Wieso empfehlen urplötzlich viele Domains eine Website mit deren Namen, wenn es keine Nachfrage nach dem Websitenamen gibt?
Selbstverständlich sind viele Links mit dem Domainnamen natürlicher als Ankertexte mit SEO-Fokus, aber auch diese Ankertexte müssen (in ihrer Anzahl) aus meiner Sicht in Relation zur Nachfrage nach dem Domainnamen stehen. Ansonsten ist auch das nicht natürlich.
Natürlichkeit erreicht man nicht dadurch, dass man im Schülerforum aus dem Satz “meine Einschulung habe ich hier gefeiert” mit dem Ankertext “hier” auf die Schlafzimmermöbelseite eines Möbelshops verweist. Linktexte und Linkziele müssen aus dem Kontext heraus Sinn ergeben! Es gibt zwar auch Crossrelevanz (z.B. kann ein Link von einer Domain über Sport auf eine Einrichtungsseite auch durchaus sinnvoll sein. Das hängt aber vom Thema der Unterseite ab), aber diese auch nicht bis ins Unendliche.
Das Ziel beim Linkaufbau ist nicht der Link – sondern die Ansprache der Zielgruppe sowie die Erhöhung des Traffics durch diesen Link. Deshalb nennen wir unsere Linkaufbauaktivitäten bewusst nicht “Linkaufbau” sondern “Linkmarketing”. Unser Ziel ist es, über Verlinkungen auf relevanten Seiten auf die Produkte unserer Kunden aufmerksam zu machen und nicht “nur” Links zu setzen.
Was die Ankertexte betrifft, ist aus meiner Sicht das klassische SEO-Denken häufig fehl am Platz. Begeistert lieber den Webmaster für euer Produkt und lasst ihn auf euch mit seinen Worten verlinken, ohne das Vorgaben gemacht werden. Wenn er nur einen Link setzen will, ist das eben so. Wenn er fünf Links setzen möchte, ist das auch ok. Warum es immer zwei Links sein müssen, ist für mich ein SEO-Mythos. Auch ein exakter Keywordlink ist nicht der Weltuntergang. Wie sieht es denn aus, wenn aus einer Aufzählung folgende Verlinkungen generiert werden: “… bietet Schränke (mehr hier), Tische (da) und Kommoden auf (klick)”? Aus meiner Sicht nicht natürlich! Das machen nur SEOs, die sich vor dem Schreckgespenst Keywordlink verstecken wollen.
Wenn man für ein Keyword ranken möchte, ist dessen (gehäuftes) Auftreten in Ankertexten gar nicht notwendig. In diesem Zusammenhang verweise ich auch gerne auf Rand Fishkins Beitrag zum Thema Kookkurrenz und Kozitierung, dem ich nur zustimmen kann. Wer den Beitrag nicht gesehen hat, findet hier das Video.
Wow ist der Artikel lang geworden. Respekt an all diejenigen, die jedes Wort gelesen haben! Für alle anderen hier die Kurzfassung:
Denkt bitte daran, einzelne Keywordlinks werden eurer Seite nicht schaden! Es kommt immer auf das Verhältnis zu anderen Faktoren und Signalen an.
Worüber man sich noch Gedanken machen sollte:
Wer ins Zweifeln gekommen ist, ob das aktuelle Linkprofil der eigenen Domain “natürlich” ist, kann sich gerne mit uns in Kontakt setzen. Wir bieten neben Linkmarketing nämlich auch Backlinkprofil-Analysen an.
Wie steht ihr zu diesem Thema? Ich freue mich auf die Diskussion!




aus 10 Bewertung(en) Was sind eigentlich “natürliche Ankertexte”?
Über den Autor:
Stephan Czysch ist Geschäftsführer und Berater bei Trust Agents. Nach dem Abschluss des Studiums der Informationswissenschaft ist er dem SEO-Team von Rocket Internet beigetreten und hat für diverse Startups an der SEO-Strategie gearbeitet.
Super Beitrag. Natürlichkeit ist auch hier das A und O. Ich mache immer einen homogenen, natürlichen Mix. Keywords, Brands. Domainnamen, ganze Halbsätze. Je natürlich, je besser. Wirklich wichtig ist der stimmige Kontext der Zielseite. Hier sehe ich auch immer wieder “brutalen Mist”.
Auf jeden Fall: Tolle Zusammenfassung! Danke!
Danke!
Ja, ich habe jedes Wort gelesen
Respekt, das ist meiner Meinung nach mal einer der “weniger” wirklich guten und hilfreichen Artikel.
Danke dafür.
Ich hab auch jedes Wort gelesen
Warum auch nicht bei einem interessanten Artikel. Und da hab ich schon längere bis zum Schluss durchgehalten.
Sehr guter Artikel dem ich in jeder Hinsicht nur zustimmen kann.
Nach durchlesen deines Artikels über natürlicher Ankertexte habe ich verstanden worum es geht.
Sehr verständlich geschriebener Text mehr davon Danke.
Ich lese selten nur den ganzen Beitrag, aber dieser ist echt Klasse. Den Artikel sollten sich eine Menge Leute durchlesen, denn viele haben immer noch nicht kapiert, dass zu einem natürlichen Linkaufbau auch ein natürlicher Ankertext gehört. Was da so manchmal als Text vorhanden ist, lässt einen erschaudern. Ich merke es als Texterin besonders, denn oft bekomme ich den Linktext vorgegeben. Viele lassen sich beraten, aber einige beharren auf groteske Linktexte. Daumen hoch für den Artikel.
Hallo,
ein großes Lob, Super geschriebener Artikel. Allerdings würden mich hier mal genauere Zahlen bzw. Erfahrungswerte interessieren. Ich habe gelesen, dass man nach Panda mit 20-30% Ankertexten schon gefährlich fährt. Was meint ihr?
Grüße, Roman
Auf was beziehst du deine 20-30%? Auf den Anteil an Exact-Match Ankertexten im Hinblick auf die Domain? Oder auf Links, die auf eine bestimmte URL zeigen?
Eigentlich ja logisch, aber dennoch sehr gut, das erklärt wurde, warum das so ist.